Frühlingsmorgen
April - Regen wechselt ab mit Graupel- und Schneeschauern. Sonnentage
sind rar. Heute ist wieder so ein Glückstag: Eine
milde Brise schmeichelt einigen vorwitzigen Frühlingsblüten - und mir. Ich gönne
mir gerade eine kurze vormittägliche Pause mit einem prüfenden Rundgang durch
den Garten und um den von meinem Mann liebevoll angelegten Gartenteich - "unser
Biotop", wie wir immer stolz verkünden -.
Fische
tummeln sich im schon etwas wärmer werdenden Wasser. Sie werden von Tag zu Tag
munterer. Da gibt es ja einen richtigen Schwarm neuer, klitzekleiner Fische, noch
nicht rot - unscheinbar etwas dunkel, dem Untergrund angepasst - Schutzfarbe von
Mutter Natur. In Formation einen Haken schlagend ergreifen sie die Flucht, als
mein Schatten auf die Wasseroberfläche fällt. Die
Kaulquappen sind auch schon aus den Froschlaichballungen ausgewandert. Dicht aneinandergedrängt
zappeln sie im seichten Teil am Ende des Teichs wie kleine schwarze Kleckse. Jeden
Tag legen sie an Größe zu. Auch
die Wasserschnecken sind schon fleißig und ausdauernd bei ihren willkommenen Reinigungsarbeiten
an den ersten Zweigen und Ausläufern der diversen Wasserpflanzen. Zarte Spitzen
und Knospen sind im glasklaren Wasser deutlich erkennbar. Hier werden bald Sumpfdotterblumen,
Wasserhahnenfuß, Lilien, Schilf, Seerose, Minze u. a. wuchern.
Mein
Fuß stockt: Vor mir im zaghaft sprießenden Gras erhebt sich schlank und mit filigranen
Blättern auf schwankendem, hellgrünem Stengel ein zierliches weißlila Gebilde.
In
die Hocke gehend, nehme ich das Ganze näher in Augenschein. Ich bin fasziniert
von der Zartheit der symmetrisch in einer Dolde angeordneten Blütenblätter - einige
schon voll erblüht, weiter oben sind es noch ganz kleine Knospen, die der kommenden
Wärme harren. Es
ist die gleiche Faszination, die mich als Kind innehalten ließ, als ich diese
Blume zum ersten Mal beim Herumtollen im Gras entdeckte. Dasselbe naive Erstaunen
über die unvergleichlichen Schönheiten unserer Natur ergreift mich jetzt wieder
wie damals. Ich bin froh, dass es diese kleinen Wiesen-Blumen trotz dem heutigen,
immensen Einsatz von sogenannten "Pflanzenschutzmitteln" immer noch gibt.
Später,
leise vor mich hin summend, bemerke ich, dass mir die heutige Arbeit leichter
von der Hand geht. Irgendwann fällt mir auch wieder der Name ein: "Wiesenschaumkraut"
nannten wir als Kinder diese zarten Blumen. Zum Muttertag pflückten wir ganze
Sträuße davon.
Christel Trompertz La
Loba, Overath, den 20.04.1997
(Erstveröffentlichung im Kölner Stadt-Anzeiger, Moderne
Zeiten) |
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